Imkerverein Pfronten

Chronik

 

 Chronik
Obst- und Bienenzuchtverein Pfronten 1901 bis 2001

In die große Zeit der Vereinsgründungen in unserer Gemeinde fällt auch die Gründung des „Obstbau und Bienenzuchtvereins Pfronten“,
wie er sich bei seiner ersten Versammlung, am 4.Dezember 1901 im Nebenzimmer des Gasthofs Adler in Pfronten- Heitlern, nannte.

Der Gründungsvorstandschaft gehörten an:

  1. Vorstand:Kommerzienrat Otto Haff, Heitlern
  2. Vorstand:Kommerzienrat Hermann Wetzer, Meilingen
        Schriftführer: Christoph Gschwend, Heitlern
        Kassier: Xaver Zweng, Dorf
        Beisitzer: Sebastian Samper, Meilingen; Josef Mörz, Kappel; Ludwig Mayr, Dorf;
        Alois Socher, Weißbach
        Ehrenmitglied: Herr königlicher Regierungsrat  Braun aus Füssen

Als Jahresbeitrag wurde 1,20 Mark festgelegt.Bei Bedarf konnte er auch in Raten! entrichtet werden.

Für uns heute nicht mehr vorstellbar ist die Notwendigkeit des Ertrages aus bescheidenem Obstanbau und Bienenhaltung zur Bereicherung des meist mageren Küchenzettels im Pfrontener Tal. Urkundlich erstmals 1584 erwähnt wird ein gemeindlicher Obstgarten im „Acker am Maul“ in Pfronten-Dorf, unterhalb der Sprungschanze. Fuhrleute brachten damals die Reiser zur Veredelung aus Österreich, Italien und der Schweiz mit.

Großen Zuspruch fand bereits im Oktober 1902 ein viertägiger Kurs für Obstbaumpflege und Obstverwertung, zum Beispiel über richtiges Einkochen.

Der junge Verein wuchs schnell und so waren es 1903 bereits 129 Mitglieder, somit der stärkste im Bezirksamt Füssen.

Mit Unterstützung der Gemeinde und Consulent Rebholz, München, wurde bei der Schule in Ried durch die Baumwarte Xaver Zweng, Dorf und Xaver Eberle, Steinach ein Schulgarten angelegt, mit Wildlingen bepflanzt und eingezäunt. Der Garten diente auch zum Schulunterricht.

Für klimatische Versuche wurden das Hörnle und das Kreuzeggle mit verschiedenen Obstsorten bepflanzt.

Bis 1908 hatte der Verein 3000 Jungbäume gesetzt und 2500 ältere Obstbäume in ganz Pfronten in Betreuung.

Eine Obstbaumzählung im Jahr 1999 ergab einen Bestand von 1199 Bäumen.

Wo sind sie alle geblieben?

Mit mehreren goldenen und silbernen Medaillen wurden die Pfrontner Obst- und Bienenzüchter in diesen Jahren bei Kreis- und Bezirksausstellungen ausgezeichnet.

Auch manch´ Kurioses berichtet uns die Chronik aus dieser Zeit: 1905 wurden die Mitglieder in einem Vortrag aufgefordert, die Bienenzucht nicht „gewerblich“ zu betreiben. Eine zu große Honigernte würde den Preis drücken.

Im Jahre 1906 zeigte sich auch der Jagdherr, Kronprinz Ludwig von Bayern, ab 1913 König Ludwig III., huldvoll:

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Seine königliche Hoheit Prinz Ludwig haben genehmigt, dass dem Obstbau und Bienenzuchtverein Pfronten, auf gestellte Bitte, zur Beschaffung von Schutzgitter gegen Wildverbiss der Betrag von 100 Mark zur Verfügung gestellt wird; aber ohne Anerkennung einer Verpflichtung!

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Sogar zur Vertreibung von „Katzenjammer“ soll der Honig unschätzbare Dienste leisten, wenn derselbe vor dem Schlafengehen (!) genossen wird. Honig sollte daher in keinem Haushalt fehlen.

Um 1913 wurde der relativ billige Bienenzucker mit 5% Quarzsand vermischt. So wurde eine private Nutzung verhindert.

Der Erste Weltkrieg verursachte eine Pause von 13 Jahren.

Erst 1927 wurde das Vereinsleben durch Hauptlehrer Torpier,Heitlern und Lorenz Nöß, Weißbach wieder in Schwung gebracht.

Bald war wieder die alte Aktivität eingekehrt. Zahlreiche Vorträge und praktische Unterweisungen an der von Oberförster Gaa um 1930 am Edelsberg eingerichteten Belegstelle, (erste Belegstelle im Landkreis) förderten die Fortbildung der Mitglieder. Wieder konnten eine Reihe 1. und 2. Preise auf Ausstellungen erzielt werden.
Bedingt durch die Kriegsjahre 1939 bis 1945 kamen die Tätigkeiten weitgehend zum Erliegen.

Bereits 1946 begann der Verein, mit Genehmigung der Militärregierung, seine Arbeit und zählte 1951 beim 50. Vereinsjubiläum, das im Gasthof Adler gefeiert wurde, bereits wieder 124 Mitglieder.

In den folgenden Jahrzehnten verlagerte sich die Vereinsarbeit immer mehr auf Bienenzucht und Blumenschmuck sowie Gartenpflege.

Im Sommer 1976 feierte der Verein unter großem Interesse der Öffentlichkeit wiederum im Gasthof „Adler“ sein 75. Jubiläum.

Um ihren Neigungen besser gerecht zu werden wuchs in den Reihen der Blumenfreunde der Wunsch, eine eigene Gruppierung zu bilden. So wurde nach mehreren Vorgesprächen eine Trennung beschlossen und am 15. November 1983 der Verein„Blumen- und Gartenfreunde Pfronten“ aus der Taufe gehoben.

Beide Vereine verfolgen, nachdem die Anfangsschwierigkeiten beigelegt waren, ihre Ziele in harmonischem Miteinander. Das wird durch die gemeinsame Gestaltung des 100. Wiegenfestes besonders zum Ausdruck gebracht.

Januar 2001                                        Martin Hörmann